PRAXISRATGEBER ÜBERWINTERUNG

Ich freue mich sehr, dass bereits einige schildkrötenerfahrene Tierärzte das Buch in ihren Wartezimmern ausgelegt haben und es weiterempfehlen.

Gunda Meyer de Rojas

Die Überwinterung 
von Europäischen Landschildkröten
 
ISBN 978-3-89973-056-2
Chimaira Verlag
90 Seiten
16,80 EUR
 
Bestellbar bei Amazon, Weltbild oder Thalia 
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Keine Angst vor der Überwinterung!
Hier werden die 50 häufigsten Fragen beantwortet, die mir im Laufe meiner langjährigen Tätigkeit als Moderatorin in Schildkrötenforen begegnet sind. Dazu gibt es viele Fotos und Illustrationen
 
Was macht dieses Buch "besonders"?
  • Grundlage ist die Überwinterung im natürlichen Lebensraum. Ich habe Überwinterungsorte in Griechenland, Bulgarien und auf Mallorca besichtigt und dort Interviews mit Schildkrötenexperten geführt. 
  • Da ich fließend englisch und spanisch spreche, kann ich mich mit Fachleuten in verschiedenen Schildkrötengebieten austauschen.
  • Aktuelle wissenschaftliche Quellen bilden die Grundlage für dieses Buch.
  • Über 40-jährige eigene Überwinterungserfahrungen (aus Fehlern gelernt!)
  • Die Besonderheiten der verschiedenen Landschildkrötenarten werden berücksichtigt
  • Das Buch wurde nicht im Selbstverlag herausgegeben, sondern in einem Fachverlag für Aquarien- und Terrarienliteratur (Chimaira-Verlag). Der Verlag stellte mir einen professionellen Fachlektor zur Seite, der selbst Schildkrötenexperte ist (Andreas Hennig) und das Buch auf inhaltliche Richtigkeit überprüft hat. 
 
Inhaltsverzeichnis: 
ARTENSTECKBRIEFE
T.hermanni boettgeri, T.hermanni hermanni, T.hermanni hercegovinensis, T.marginata, T.graeca ibera, T.horsfieldii 
ALLGEMEINES
1 Überwinterung – ja oder nein?
2 Schildkrötenbabys einwintern?
3 Welche Folgen hat es, wenn die Winterstarre ausfällt?
4 Müssen Schildkröten das Überwintern lernen?
5 Welches Überwinterungsquartier ist am besten geeignet?
6 Welches ist die optimale Überwinterungstemperatur?
7 Welchen Vorteil haben konstante Überwinterungstemperaturen?
8 Wieviel Frost verträgt eine Schildkröte?
9 Wie hoch ist das Risiko, dass meine Schildkröte die Winterruhe nicht überlebt?
10 Wie kann ich die Risiken minimieren?
11 Wie wichtig ist eine Gewichtskontrolle?
12 Meine Schildkröte hat Gewicht verloren. Soll ich sie auswintern?
13 Meine Schildkröte wird nicht starr! Was nun?
14 Ich glaube, meine Schildkröte ist tot. Wie kann ich sicher sein?
15 Wie heißt es richtig: Winterschlaf? Winterstarre? Hibernation? Winterruhe?
DIE VORBEREITUNGSPHASE
16 Woran merke ich, dass sich meine Schildkröte auf die Überwinterung vorbereitet?
17 Wie kann ich meine Schildkröte bei der Vorbereitung unterstützen?
18 Soll ich meine Schildkröte baden?
19 Meine Schildkröte vergräbt sich bereits im September! Was tun?
20 Wie bringe ich sie dazu, im Frühbeet zu übernachten?
21 Eine Schildkröte schläft bereits, die andere ist noch aktiv. Ist das ein Problem?
22 Wie verläuft die Vorbereitung in der Wohnung?
DIE ÜBERWINTERUNG IM GEWÄCHSHAUS ODER FRÜHBEET
23 Wie sollte die Überwinterungsgrube beschaffen sein?
24 Welches ist das beste Überwinterungssubstrat?
25 Braucht meine Schildkröte ein Schlafhaus?
26 Warum gräbt sich meine Schildkröte nicht ein?
27 Gibt es eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Überwinterung?
28 Was tun bei strengem Frost?
29 Wie schütze ich meine Schildkröten vor Fressfeinden?
30 Wie heize ich das Winterquartier?
DIE ÜBERWINTERUNG IM KÜHLSCHRANK
31 Welcher Kühlschrank ist geeignet?
32 Wann können die Tiere in den Kühlschrank?
33 Wie sollte die Überwinterungsbox beschaffen sein?
34 Wie richte ich die Überwinterungsbox her?
35 Alles unter Kontrolle?
36 Wie verhält es sich mit dem Temperaturgefälle im Kühlschrank?
37 Warum wird mein Kühlschrank nicht kalt?
38 Was tun bei schwankenden Temperaturen?
39 Mehr Sicherheit durch einen zusätzlichen Thermostaten?
FRÜHLINGSERWACHEN
40 Wie lange dauert die Winterruhe im natürlichen Lebensraum?
41 Wie lange dauert die Winterruhe in menschlicher Obhut?
42 Meine Schildkröte hat einen rötlichen Bauchpanzer. Soll ich sie auswintern?
43 Weiße Verfärbungen am Panzer – ist eine Auswinterung erforderlich?
44 Wie lange dauert die Phase des Aufwachens?
45 Wie beende ich die Winterstarre im Kühlschrank?
46 Wie unterstütze ich den Auswinterungsvorgang?
47 Brauche ich ein Übergangsterrarium?
48 Was bedeutet „Posthibernale Anorexie“?
49 Wie animiere ich meine Schildkröte zum Fressen?
50 Auf welche Alarmzeichen muss ich nach der Auswinterung achten?
ANHANG
Checkliste für eine erfolgreiche Überwinterung
Datenblatt zur Kontrolle (Kopiervorlage)
Danksagung
Literaturverzeichnis         

Leseprobe:

2 Schildkrötenbabys einwintern?

Sie sind doch noch soooo winzig! Jedem, der ein Herz für Tiere hat, widerstrebt zunächst der Gedanke, die frisch geschlüpften Schildkrötenbabys monatelang in ein kaltes Erdloch zu stecken und sich selbst zu überlassen. Es ist nicht leicht, zu akzeptieren, dass Reptilien völlig andere Bedürfnisse haben als Säugetiere.

In freier Wildbahn halten auch frisch geschlüpfte Schildkrötenbabys Winterruhe. Da der Schlupf im natürlichen Lebensraum hauptsächlich im Herbst stattfindet, folgt die Winterstarre oft direkt auf den Schlupf, ohne dass die Kleinen vorher einen einzigen Happen gefressen haben. Der eingezogene Dottersack bietet genügend Energiereserven. Das heißt: Bei Schlüpflingen dauert die Überwinterung mindestens ebenso lange bei ihren ausgewachsenen Artgenossen! Allerdings wird beobachtet, dass Schlüpflinge häufiger als adulte Tiere dazu neigen, bereits im Februar aufzutauchen und erste Sonnenbäder zu nehmen - selbst wenn die Umgebung noch sehr kalt ist.

Als Begründung wird manchmal angeführt, das Immunsystem der Winzlinge sei noch nicht ausgebildet und somit anfälliger als das der großen Tiere. Jedoch haben Schlüpflinge naturgemäß vom ersten Lebenstag an Bodenkontakt, wo es von Bakterien und Bodenorganismen nur so wimmelt. Sie verkriechen sich in feuchte Höhlen, wo Insekten und allerlei Getier zu Hause ist. Und sie fressen Kot anderer Tiere, um ihre Darmtätigkeit in Schwung zu bringen. Wenn Bodenkeime das Immunsystem übermäßig belasten würden, hätten Schildkröten mit ihrer Lebensweise nicht Jahrmillionen überlebt. Es gibt Hinweise darauf, dass die Babys im ersten Lebensjahr einen angeborenen Immunschutz mitbringen, der sich allmählich abbaut, bzw. den äußeren Bedingungen anpasst. Das würde erklären, warum mehr Schildkröten während der zweiten Winterstarre erkranken als während der ersten (Quelle 1 und Quelle 2)

Einige Züchter und sogar manche Tierärzte empfehlen für Schlüpflinge erst einmal eine verkürzte Winterstarre von 8 oder 10 Wochen. Mit diesem Kompromiss orientiert man sich an den Bedürfnissen des Halters, und nicht an denen der Schildkröte.

Für das Tier bringt das vorzeitige Auswintern nur Nachteile:

Mitte Januar wachsen keine Futterpflanzen und es gibt zu wenig natürliches Sonnenlicht. Man muss mit aufwändiger und teurer Beleuchtung nachhelfen. Terrarienhaltung unter Lampen führt fast immer zur Höckerbildung. Die ersten Monate sind besonders entscheidend für das spätere Panzerwachstum. Nicht umsonst haben Wildfänge oder Schildkröten aus konsequent naturnaher Haltung die schönsten Panzer.

 

 

8 Wieviel Frost verträgt eine Schildkröte?

Die Erfahrung zeigt, dass Europäische Landschildkröten eine gewisse Frosttoleranz besitzen, wenn auch nicht in dem Maße wie manche Amphibien oder Fische. Zudem verhindert eine erhöhte Glucosekonzentration im Blut, dass die Tiere bei Bodenfrost erfrieren Dieses natürliche Frostschutzmittel ist auch dringend erforderlich, denn in einigen Schildkrötengebieten sinken die Außentemperaturen im Winter in den zweistelligen Minusbereich und entsprechend kommt es auch in den Überwinterungsgruben zu Frost. In einer bulgarischen Studie wurden in den Überwinterungsgruben Temperaturen von bis zu -5°C gemessen. Die längste konstante Frostperiode mit -4°C in den Überwinterungsgruben betrug 7 Tage (IVANCHEV 2007).

Unfreiwillige Experimente hat es bei mir auch schon gegeben. 2008 war ein ausgebüxter Schlüpfling mehrere Tage komplett in der Oberfläche des Bodens eingefroren. Er hat keine bleibenden Schäden davongetragen. Andere Schildkrötenhalter berichten von ähnlichen Erfahrungen.

Die stärkste Gefährdung durch Frost bei wildlebenden Schildkröten sind nicht die Wintermonate, sondern der März, wenn sich die Schildkröten schon ausgegraben haben und es zu einem erneuten plötzlichen Kälteeinbruch kommt. Solche Katastrophen können wir glücklicherweise durch Zuheizen verhindern.

Dauerhafte oder sehr plötzlich eintretende Minusgrade – womöglich gar im zweistelligen Bereich - werden nicht vertragen. In freier Wildbahn wird sich eine Schildkröte instinktiv einen Platz suchen, an dem derartig tiefe Temperaturen nicht auftreten. In Gefangenschaft ist das nicht immer möglich. Hier trägt der Halter die Verantwortung, dass es nicht zu Erfrierungen kommt.

 

 

40 Wie lange dauert die Winterruhe?

Im natürlichen Lebensraum fällt die Dauer je nach Herkunftsgebiet und Klima sehr unterschiedlich aus. Bei Schildkröten des westlichen Mittelmeerraums (Thh) beträgt sie nur 3,5 Monate, bei Thb und Tgi in den nördlichen Verbreitungsgebieten des Balkan um die 5 Monate und bei T. horsfieldii sogar noch länger. Aus vielen Berichten weiß man, dass die Unterarten diese Verhaltensweisen auch in Gefangenschaft beibehalten und sogar auf ihre Nachkommen vererben. Davon abgesehen hat jede Schildkröte ihren individuellen Rhythmus. 

Ivo Ivanchev ermittelte in einer Studie von bulgarischen Schildkröten an der Schwarzmeerküste folgende Werte: ("Schildkröten im Fokus 02/2007, S.8)

Thb: 139 - 157 Tage
Tgi: 109 - 167 Tage
Gerechnet wurde ab dem Tag des Eingrabens bis zum Auftauchen.

Es wurden einige Fälle beobachtet, wo Thb und Tgi an sonnigen Februartagen vorübergehend auftauchten und ein Sonnenbad nahmen. Hier handelte es sich vorwiegend um Schlüpflinge.

Unter menschlicher Obhut hat sich eine Dauer von 3,5 - 5 Monaten (gerechnet vom Tag der letzten Futteraufnahme) bewährt. Dabei kommt es weniger die Anzahl der Kalendertage an, denn Schildkröten, die den Drang haben, früh abzutauchen, tauchen in der Regel als letzte wieder auf. Mir sind Schildkröten bekannt, die nach über 6 Monaten gesund wieder zum Vorschein gekommen sind. 

Ich persönlich würde sie nach spätestens 5,5 Monaten wecken, wenn sie von selbst keine Anstalten machen hoch zu kommen.  

 

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